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Gerade nach dem Ergebnis der letzten Nationalratswahl, in der das Wahlalter auf 16 Jahre herabgesetzt wurde, stellt sich die Frage, wie Jugendliche in ihrem Wahlverhalten geprägt wurden. Wer übernimmt die Verantwortung für die Informationen, genügt es für den Meinungsbildungsprozess Jugendliche den wahlwerbenden Parteien zu überlassen, oder wären dafür nicht doch auch weit reichendere und spezifische Kenntnisse der Formen von Politik notwendig? Wer vermittelt sie? Schulen, Medien, wo sind die Orte der Diskussionen?

Der Kunstraum Lakeside nähert sich mit dem Semesterthema „Lernen von...“ der Intention der Ausstellung „Useless/Open Letter to the Government #2, Will You Be Profitable, Little Friend?“ von Alexander Vaindorf. Ausgehend von dem bekannten, neorealistischen Gemälde „Will You Be Profitable, Little Friend?“ (1972) des schwedischen Künstlers Peter Tillberg, hat Alexander Vaindorf zu einer Überprüfung des Status Quo in einer schwedischen Maturaklasse veranlasst. Die Installation im Kunstraum „Useless/Open Letter to the Government #2, Will You Be Profitable, Little Friend?“ besteht aus einem 26-minütigen Video, einem Foto, persönlichen Briefen von SchülerInnen an die schwedische Regierung, einer Tafel und Plakaten. Die Abschlussklasse eines Stockholmer Gymnasiums wurde von Vaindorf instruiert, Tillbergs Gemälde zu betrachten und danach einen Brief an die Regierung zu schreiben. Die Briefe wurden im regulären Schwedischunterricht behandelt, und alle SchülerInnen mussten lesen, was die anderen geschrieben hatten. Zum Schluss brachte Vaindorf die SchülerInnen in einer, der Situation in Tillbergs Gemälde nachempfundenen, gefilmten Unterrichtsstunde zusammen, in der sie über die geschriebenen Briefe diskutierten. Dieses Video wurde anschließend an die schwedische Regierung gesandt.

In dem Video sieht man eine sehr offene Diskussion unter SchülerInnen. Sie wird von drei Kameras gefilmt, und sowohl das Aufnahme-Equipment als auch Vaindorfs Fragen sind deutlich sicht- bzw. hörbar. Im Stil des „direct cinema“ folgt die Erzählung dem Lauf der Dinge. Zur Verdeutlichung des Dialogs zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist Anfang und Ende in Farbe, die Diskussion aber in Schwarzweiß gefilmt. Zurzeit entwickelt Alexander Vaindorf fernab von EU-Rankings ein ähnliches Projekt für Klagenfurt, in dem er mit einer Maturaklasse die Auswirkungen der Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre diskutiert und anschließend PolitikerInnen mit dem Ergebnis dieser Diskussion konfrontiert. Am 20. November 2008, um 18 Uhr gibt es über dieses soziale Experiment ein ausführliches Gespräch mit dem Künstler Alexander Vaindorf und dem Kulturwissenschafter Boris Buden.

Alexander Vaindorf geboren 1965 in Odessa, ehem. UdSSR, lebt und arbeitet seit 1987 in Stockholm. 2000 Master of Fine Arts an der Columbia University/Visual Arts, New York.

Letzte Ausstellungen: Manifesta 7 – „The Rest of Now“ Sektion Bolzano; Gyumri Biennale in Armenien; 4. Ars Baltica Triennale, Casino Luxembourg; „URBAN CONCERNS” in The Johannesburg Art Gallery, Südafrika; Galerie im Taxispalais, Innsbruck; Salon of the Museum of Contemporary Art, Belgrad; Künstlerhaus Buchsenhausen, Innsbruck; „Narration in Swedish Contemporary Art”, Schweden; B-fact: Tirana und Istanbul Biennale (2003). Film-Screenings bei den 51. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen (2005); Architektur-Biennale Venedig, russischer Pavillon (2004); 10. Rencontres Internationales Paris/Berlin; „It is hard to touch the real“, Kunstverein München (2003); 26. Göteborg Filmfestival (2003). www.alexandervaindorf.com