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Die in New York lebende Künstlerin Ulrike Müller zeigt Arbeiten zur Abstraktion, mit denen sie das Prinzip der Übersetzung als zentrales Motiv ihrer Kunst zur Diskussion stellt. Müller weist ein vielfältiges diskursives und visuelles Werk auf, ob als Organisatorin der Zeichnungsausstellung «Herstory Inventory», die auf impulsgebende Archive der Lesbenbewegung zurückgreift, als Mitherausgeberin des queer-feministischen Magazins LTTR oder in aktivistischen Zusammenhängen. Müllers beinahe abstrakte Bilder und Zeichnungen knüpfen an die Postulate der postminimalistischen, konzeptuellen und repräsentationskritischen Malerei an. Die Formalisierung des Dringlichen wird in Müllers Bildern bis an die Grenze der reinen Form geführt. Dennoch sind sie voll von Präsenz dessen, was sich der Abstraktion widersetzt. Diese Bilder sind abstrakt und sexuell, dekorativ und körperlich, geometrisch und unstabil zugleich.  Bei der Übersetzung der Bildkonzepte in Tapisserien bezieht sich Müller auf die oft entfremdeten Arbeitsbedingungen in der globalisierten Textilindustrie. Kontakt und Austausch mit den ProduzentInnen ihrer Entwürfe verweisen dabei auf vorindustrielle und alternative Modelle von Produktion, wie sie bis heute in der Arbeitsumgebung des Ateliers Realität sind. Textilkunst ist oft in die Nähe von Kunsthandwerk als eine abfällig als «weiblich» konnotierte Praxis gerückt worden. Mit der Einbeziehung dieser Referenzschleifen in die abstrakten Gewebe und in ihr konzeptuelles Gestalten hält Müller den Stellenwert des Kunstwerks selbst zwischen dem «auratischen» Anspruch der Autonomie und deren Kritik im Werk selbst in einer fragilen Balance.