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Das Progressive Museum Basel


26.05.05-31.07.05

Haus Konstruktiv
Selnaustrasse 25
8001 Zürich
Schweiz
info@hauskonstruktiv.ch
homepage


Das Progressive Museum Basel: Aus der Sammlung
Ausstellungskonzeption: Elisabeth Grossmann
Ausstellungsrealisation: Elisabeth Grossmann, Matthias Bosshart, Andre Margraitner

Werke von Markus Raetz, Christian Megert, Paul Talman, Günter Fruhtrunk, Hartmut Böhm, Marina Apollonio, Gianni Colombo, Sophie Taeuber-Arp, Erich Buchholz, Walter Dexel, Etienne Beothy, Verena Loewensberg, Max Bill, Roman Clemens, Fritz Glarner, Jesús Rafael Soto ...


Haus Konstruktiv pflegt seit jeher die Tradition, Sammlungen aus Privat- oder Museumsbesitz vorzustellen. Es freut uns, dass wir Ihnen aktuell die Sammlung des „Progressiven Museum Basel“ vorstellen dürfen. Die hier vereinten Kunstwerke vertreten eine Richtung, die in unseren eigenen Sammlungsbeständen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bisher fehlt. Sie bilden einen willkommenen Link zu unseren eigenen Exponaten und rufen gleichzeitig die Erinnerung an die wilden Sixties und ihre Neuerungen wach.

Das Progressive Museum Basel: Der Museumsbetrieb 1968 bis 1974 Das Progressive Museum Basel ist ein typisches Kind seiner Zeit. 1968 von kulturell engagierten Persönlichkeiten aus dem Kreis von Carl Laszlo, Antoinette Vischer und Markus Kutter gegründet, setzte sich die „private, uneigennützige, doch vom Staat anerkannte Stiftung“ zum Ziel, „eine moderne Sammlung anzulegen, die von Anfang an der Oeffentlichkeit zugänglich sein soll“ (Publikation 1, Vitrine). Keine weitere staatliche Institution sollte es sein, sondern eine von Privaten verantwortete, nach dem Vorbild der Stifter-Museen der USA. Anstatt auf „säkularisierte Feierlichkeit“ zu setzen, strebte man einen unverbrauchten Begegnungsort an. Im Museum durfte geraucht und mit einigen der Kunstexponate hantiert werden. Bei Rahmenveranstaltungen (Musik, Vortrag und Diskussion) hatte man sich zuweilen mit einem Platz auf dem Boden zu begnügen. Zumindest enthält die Ankündigung des John CageAbends vom 22. Oktober 1969 folgenden Nachtrag: „Abendeintritt: Fr. 5.- Wer bequem sitzen will, bringt selber sein Kissen mit.“ (Vitrine).

Das Museum war am Leonhardsgraben 52 untergebracht, die ehrwürdige Liegenschaft mit idyllischem Innenhof mitten in der Basler Altstadt gelegen. Als erste Priorität war der Aufbau einer Sammlung vorgesehen: „Nicht um eine Sammlung zu zeigen, wurde das Progressive Museum gegründet, sondern um eine solche zu schaffen“; womit der Name „das Progressive Museum“ auch als „Museum in Progress“ zu deuten wäre. Sammler und Künstler wurden zu Schenkungen aufgerufen oder gebeten, für die wechselnden Präsentationen Leihgaben zur Verfügung zu stellen. Nach erfolgreichen Anfängen sah sich das Progressive Museum Basel zunehmend mit finanziellen Engpässen konfrontiert: Die Zeiten seien eben „nicht rosig“ ist in einem Geschäftsprotokoll von 1971 festgehalten. Trotz unermüdlichen Einsatzes gelang es nicht, weitere Stifter bzw. die erforderliche finanzielle Unterstützung zu generieren. Ende 1974 entschloss sich der Stiftungsrat, den Museumsbetrieb einzustellen. Die Leihgaben wurden zurückgegeben, die Donationen vorübergehend ins Magazin des Kunstmuseum Basel überführt. Um die Sammlung weiterhin der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen, wurden Teile daraus der Basler Börse, nach deren Umbau einer Bank zur Verfügung gestellt. Nachdem auch diese Liegenschaft einer Totalrenovation unterzogen worden war, blieb die Sammlung vorübergehend heimatlos. Nach der Neueröffnung des Haus Konstruktiv im ewz-Unterwerk Selnau im Jahr 2001 nahmen wir die Gelegenheit wahr, einzelne Werke des Progressiven Museums als Dauerleihgaben in unseren Sammlungspräsentationen und Ausstellungsprojekten auszustellen. Nun finden wir es an der Zeit, das Publikum auf die faszinierenden Bestände des Progressiven Museums insgesamt, d.h. mit rund dreissig Werken, zumindest auf die wesentlichen Charakteristika, aufmerksam zu machen.

Das Progressive Museum: Die Sammlung Ohne Ankaufsbudget, allein auf der Basis von Donationen, gelang es dem Progressiven Museum Basel dank eines vorbildlichen Netzwerkes in kurzer Zeit, eine Vorzeigesammlung aufzubauen. Im Fokus der Sammlung stand das Schaffen der in Entwicklung begriffenen jüngeren Generation sowie Vertreter der älteren Generation, denen in öffentlichen Sammlungen ungenügende Anerkennung widerfahren war. Den Hauptteil machen die konstruktiven Tendenzen der 1960er Jahre im Umkreis der „Nouvelles Tendances“ aus. Unter dem gemeinsamen Nenner „Mouvement“ und „Recherche“ wurde das konstruktive Erbe auf serielle, kinetische und wahrnehmungsphysiologische Aspekte ausgedehnt. Kunstfremde Materialien wie Acrylglas (Hersberger, Koscis, Sommer, Talman) Spiegelglas (Demartini, Megert), Aluminium (Vasarély) und Kunststoffe (Raetz) kamen ins Spiel, der Umgang mit bekannten Werkstoffen wie Holz oder Karton (Keller, Scheggi) wurde uminterpretiert. Die Faszination für neuartige Materialien und Techniken bewegte die Künstler, sich vom klassischen Tafelbild ab- und dem Objekt zu zuwenden. Das Ornament, einst von Adolf Loos als „Verbrechen“ verurteilt, feierte Auferstehung. Im Augenscheinlichen, Ausschweifenden und zeitweise Schrillen kamen der Optimismus, der Fortschrittsglaube und der Hang zum Glamour der „Swinging Sixties“ zum Ausdruck. Nicht nur die bildende Kunst wurde davon infisziert, sondern auch die Mode und das Intérieur.

Nicht allein Pop Art und Hyperrealismus waren demnach gefragt, sondern auch die Geometrie. Nach jahrzehntelanger Verfemung erlebte sie in den 1960er Jahren ein echtes Revival. Manch einer der jüngeren Künstler, von dem nicht zu erwarten wäre, wurde von der Geometrie entflammt. Manchmal war die Faszination nur vorübergehend, wie z.B. bei Markus Raetz, hier mit seinen pop-geometrischen Bodenarbeiten „3 Hütten“ vertreten. Anderseits hielten viele auf Dauer an der in den Sixties entwickelten Ausdrucksweise fest. Dazu gehören in der Sammlung nicht zuletzt die Schweizer Christian Megert (geb.1931) und Paul Talman (1932 bis 1987). Der erste kreierte den neuartigen Typus des Spiegelobjekts, der zweite experimentierte mit manuell veränderbaren Kugelbildern. Ganz allgemein wurde das Bewegungs- bzw. Zeitmoment als vierte Dimension mit einbezogen, spielte für mehr als ein Jahrzehnt eine zentrale Rolle. Manche Künstler zogen vor, die Kinesis (griechisch: Bewegung) allein mit optischen Mitteln, im Auge des Betrachters, auszulösen (Günter Fruhtrunk oder Hartmut Böhm). Andere setzten auf physische Bewegung, sei es durch manuelle Hantierung (Marina Apollonio) oder durch elektrischen Kontakt wie z.B. Gianni Colombo (1). Zum Generalthema „Mouvement“ kam die „Recherche“, die Forschung hinzu. Kurz zuvor hatten die Naturwissenschaften neue Aspekte der Optik und der Wahrnehmungsphysiologie entdeckt; das faszinierende Feld wurde von den Künstlern rasch okkupiert und in die künstlerische Praxis einbezogen. Statt passiven Betrachtens war nun aktives Sehen angesagt. Vor allem im Kontext der Op Art (Kürzel für Optical Art) wurden die Wahrnehmungsgesetze, und mit besonderer Verve, die Fehlbarkeit des menschlichen Auges vorgeführt. Der Betrachter wurde gezielt getäuscht, sah Farben oder Formen, die faktisch gar nicht vorhanden waren. So wurden die Op Art und die ihr verwandten Tendenzen zum wohl populärsten Lehrmeister optischer Wirkungskräfte – und dies bis zur Schmerzgrenze (2).

Das Innovationspotential der Sixties hatte sich vergleichsweise rasch erschöpft. Nicht allen Künstlern gelang es, ihre Kreativität in neue Bahnen zu lenken. Man wolle „Werke von unbekannten, verkannten oder jungen Künstlern erwerben, deren Bedeutung Jahre oder Jahrzehnte später möglicherweise allgemein anerkannt“ seien und dürfe sich dabei „auch einmal irren“, ist im Kommentar zur Eröffnung des Progressiven Museums („Der Tagesspiegel“ vom 16.8.1968, Godehard Lietzow) nachzulesen. Mancher der hier Genannten ist international oder national anerkannt, andere wiederum sind rund dreissig oder vierzig Jahre später nur mehr Insiderkreisen geläufig.

Die Sammlung des Progressiven Museums umfasst jedoch noch ein zweites Standbein: Die Vertreter der klassischen Moderne. Wenn auch an Anzahl geringer, umfassen diese Bestände nicht wenige Highlights: Arbeiten von Sophie Taeuber (1889 bis 1943), Erich Buchholz (1891 bis 1972), Walter Dexel (1890 bis 1973), Etienne Béothy (1897 bis 1967) sowie der Zürcher Konkreten Verena Loewensberg (1912 bis 1986) und Max Bill (1908 bis 1995). Sie zeigen auf schönste auf, welche Fragen das Interesse der Pioniergeneration weckte. Aber sie weisen auch darauf hin, was zur selben Zeit an strengeren Versionen konstruktiven Gedankengutes geschaffen wurde – nicht zuletzt anschaulich in der gleichzeitigen Sammlungspräsentation im vierten Stock zu vergleichen. Die ersten drei Räumen sind derzeit dem Schweizer Bühnenbildner und Maler Roman Clemens (1910 Dessau bis 1992 Zürich) gewidmet. Die Werkgruppe geht auf die grosszügigen Schenkungen der Stiftung Lis und Roman Clemens, Zürich von 1993 und 2005 zurück. Dem Stiftungsrat und der Nachlassverwalterin möchten wir an dieser Stelle herzlich danken. Auch der weitere Rundgang durch die Sammlung mit dem „Rockefeller Dining Room“ von Fritz Glarner und dem begehbaren „Rideau pénétrable“ von Raffael Soto sei Ihnen herzlich empfohlen.

Elisabeth Grossmann

(1) Bitte zeigen Sie Verständnis, dass wir Ihnen gewisse kinetische Erlebnisse vorenthalten müssen. Die restauratorischen Abklärungen haben ergeben, dass zum Schutz der Kunstwerke von jeglichem Hantieren abzuraten ist.

(2) Das Aufsichtspersonal des MOMA New York war dazu verpflichtet, während der Op-Art-Ausstellung „The Responsive Eye“ von 1964 Sonnenbrillen aufzusetzen, um etwaigen gesundheitlichen Schäden vorzubeugen.

Pressetext