highlights specials idee kontakt impressum info

schnellsuche
terminsuche
termine
nächste 30 tage
biennalen
festivals
messen
künstler / kuratoren
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
kunststätten
alle länder
deutschland
Österreich
schweiz
akademien
biennalen
festivals
galerien
institutionen
kunstvereine
messen
museen+hallen
projekte
google


© kunstaspekte
internationale kunstinformationen

termine-archiv

Daniel Spoerri


02.09.06-26.11.06

Staatliches Museum Schwerin
Galeriegebäude
Alter Garten 3
19055 Schwerin
Deutschland
fon 0385 - 5958119
info@museum-schwerin.de
homepage


Daniel Spoerri
Prillwitzer Idole - Kunst nach Kunst nach Kunst

Den Zufall nennt Daniel Spoerri seinen Meister. Und tatsächlich war es der Zufall, der ihm vor vielen Jahren in einem Antiquariat das 1771 erschienene Buch „Die gottesdienstlichen Alterthümer der Obotriten aus dem Tempel zu Rethra am Tollenze-See“ in die Hände spielte. Die darin als Kupferstiche wiedergegebenen obotritischen Heiligtümer faszinierten den Künstler so sehr, dass er im Jahre 2004 beschloss, die Suche nach den Originalen, die in Mecklenburg-Strelitz im 18. Jahrhundert unter dem Namen „Prillwitzer Idole“ für Aufsehen gesorgt hatten, aufzunehmen. Spoerri glaubte, auf seltene archäologische Fundstücke aus der Slawenzeit zu treffen und erlebte Überraschendes wie Seltsames.

Seine Reise nach Mecklenburg und die Begegnung mit den skurrilen Figuren, die im 19. Jahrhundert als kuriose Fälschungen zweier begabter Goldschmiede identifiziert worden waren, hat Spoerri nicht nur eindrucksvoll beschrieben. Er ließ sich auch, wie zuvor Künstler des 18. und 19. Jahrhunderts, zu eigenen Schöpfungen anregen.

Die kleinen merkwürdigen Artefakte der Gebrüder Sponholz, die diese als echte slawische Fundstücke der Öffentlichkeit offerierten, sich selbst aber als kreative Urheber verschwiegen, animierten Spoerri zur Arbeit an großen Skulpturen und zu Collagen mit Objektcharakter.

Als erstes ostdeutsches Museum widmet das Staatliche Museum Schwerin dem renommierten Schweizer Künstler eine umfangreiche Ausstellung und stellt Spoerris Bronzeskulpturen, Assemblagen und Collagen in den Kontext zu den originalen Prillwitzer Idolen, zu Gemälden des Mecklenburg-Strelitzer Hofmalers Daniel Woge, zu Grafiken des Berliner Kupferstechers Johann Conrad Krüger und einer Zeichnung von Caspar David Friedrich. Dabei werden Formen gegenseitiger Anregungen und Beeinflussungen von Künstlern durch Künstler über zweihundert Jahre hinweg veranschaulicht. Phasen des Entstehungsprozesses von Kunst nach Kunst nach Kunst werden sichtbar.

Daniel Spoerri ist 1930 in Galati (Rumänien) geboren. Nach der Deportation seines jüdischen Vaters Isaac Feinstein floh er mit der Mutter, einer gebürtigen Schweizerin, aus Rumänien und wuchs mit den Geschwistern in der Schweiz auf. Spoerri versuchte sich in vielen Berufen, ließ sich als Tänzer ausbilden und lebte seit 1952 mit Unterbrechungen in Paris. Als Herausgeber der Zeitschrift „MAT“ (Multiplication d’Art Transformable) und als Künstler mit vielfältigen Ambitionen gehörte er 1960 zu den Unterzeichnern des Manifestes „Nouveaux Réalisme“ und unterhielt enge Kontakte zur Fluxusbewegung.

Wie kein anderer hat er die Devise der Nachkriegs-Avantgarde, Kunst und Leben zu verbinden, direkt und unvergleichlich radikal umgesetzt. Sein Leben als Künstler ist spannend und kontrastreich verlaufen. Spoerri war Solotänzer, Choreograph, Schauspieler und Regisseur, Schriftsteller, Verleger, Objektkünstler, Bildhauer, Kurator, Galerist, Restaurantbesitzer und Akademieprofessor.

Heute lebt und arbeitet er in der Schweiz und in Italien. Zu seinen Wegbegleitern und Freunden zählt er Marcel Duchamp, Dieter Roth, Joseph Beuys, Alexander Calder, Arman, Jean Tuingely, Niki de Saint Phalle, Roland Topor, Eva Aeppli, Meret Oppenheim, Bernhard Luginbühl, Nam June Paik u. v. a.

Spoerris spektakuläre „Fallenbilder“ (dabei wurden alle Dinge eines gedeckten Tisches nach dem Essen fest aufgeklebt, die Tischplatte gedreht und wie ein Bild an die Wand gehängt) schreckten die Kunstwelt auf. Gefeiert wurden seine Bankette und Happenings sowie die Herausgabe der ungewöhnlichsten Kochbücher.

Rastlos wie ein Nomade wechselte er die Stätten seines Wirkens, lebte einige Zeit auf der Insel Smy und in einer Mühle auf dem Lande in Frankreich, lehrte an Kunsthochschulen in Köln, München, Wien und richtete in den neunziger Jahren in der Toskana einen großartigen Skulpturengarten ein. Heute ist „Il Giardino di Daniel Spoerri“ eine öffentliche Stiftung und ein einzigartiges Kunstwerk.

Um 1985 nahm Spoerri die Arbeit an Assemblagen und Bronzen auf. Immer ist er auf der Suche nach neuen Formen künstlerischen Ausdrucks. Er zählt international zu den schillerndsten und originellsten Künstlerpersönlichkeiten der Gegenwart. Seine Werke sind in den bedeutenden Sammlungen und Museen der Welt zu finden.

Es erscheint ein Katalog.

Pressetext