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Gärten: Ordnung, Inspiration, Glück


05.04.07-08.07.07

Lenbachhaus
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau
Luisenstraße 33
80333 München
Deutschland
lenbachhaus@muenchen.de
homepage


Gärten: Ordnung, Inspiration, Glück
Kuratorin: Sabine Schulze

Werke von Joseph Beuys, Carl Blechen, Arnold Böcklin, Pierre Bonnard, Carl Gustav Carus, William Merritt Chase, Gustave Courbet, Max Ernst, Fischli / Weiss, Caspar David Friedrich, Vincent van Gogh, Paul Klee, Carl Friedrich Lessing, John Frederick Lewis, Édouard Manet, Henri Matisse, Claude Monet, Camille Pissarro, Auguste Renoir, Peter Paul Rubens, Antoine Watteau ...

Stationen:
24.11.06 - 11.03.07 Das Städel, Frankfurt
05.04.07 - 08.07.07 Lenbachhaus, München


Pressetext:

IGärten sind Natur im Kleinen. Ohne menschliche Arbeit kann es sie nicht geben. Wenn Maler sich aber diesem Thema nähern, dann sind sie nicht in erster Linie an dem Ergebnis dieser Arbeit interessiert, das ein genaues topographisches Abbild erfordern würde. Vielmehr stellt sich im Garten für sie die Widersprüchlichkeit des Lebens dar, seine nur scheinbare Dauer und Festigkeit: Fülle und Vergänglichkeit, physische Enge und Sehnsucht nach der Weite, heimische Nähe und exotische Ferne, Realität und Traum, Wissenschaft und Alptraum sind Gegensatzpaare, die in ihren Darstellungen sinnlichen Ausdruck finden. Ihre Bilder sprechen nicht nur unsere Sehnsüchte aus, sie berühren auch die Labilität unserer Existenz.

Gärten gehören zur Geschichte der sesshaften Menschheit. Zunächst dem physischen Bedarf dienend, erfüllten sie bald das Bedürfnis nach dekorativer Schönheit. In ihrer Farben- und Formenpracht stellte sich die Fülle irdischen Lebens und irdischen Reichtums dar. Dass diese Fülle das Ergebnis hingebungsvoller Pflege und eines dauerhaften Kampfes mit den natürlichen Widersachern ist, kommt in den Bildern nur selten zum Ausdruck. Sie vermitteln dagegen den Eindruck flüchtiger, aber überirdischer poetischer Schönheit.

Ein wesentliches Element des Gartens ist die Begrenzung, die Einzäunung oder Mauer. In dem dadurch erzeugten Kleinklima und Schutz vor der Außenwelt kann sich die Fülle der kultivierten Pflanzen entfalten und ihren Besitzer erfreuen. In seiner Abgeschlossenheit ist der Garten immer auch ein Gegenbild zur Weite und Unendlichkeit der Landschaft. Der in seiner Üppigkeit geborgene Mensch kann dies auch als Beengung empfinden. Die Mauer wird ihm zur Grenze zwischen seinem realen Dasein und der geistigen Freiheit, die ihn in die Ferne lockt.
Ausgrenzender Besitz durch die höheren Stände ist bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ein wesentlicher Bestandteil des Gartens. Erst mit der Aufklärung wird der Garten zur Landschaft und damit auch für die Allgemeinheit geöffnet. Er wird zur Essenz der Landschaft, zu ihrem Idealbild. Vorher stellte sich in ihm dagegen die Essenz der Natur als schaffender Kraft des Lebens dar.

Seit dem Mittelalter waren die Gärten Sammelbecken der Erinnerungen an Reisen in die Ferne. Schon früh wurden manche Nelken- und Rosenarten, später im 17. Jahrhundert die Tulpen aus exotischen Fernen eingeführt und fanden in den europäischen Gärten eine Stätte ihres Kultes. Auch darin umfasste der begrenzte Ort des Gartens schon immer die Weite der Welt. Er war das Ergebnis des Bestrebens, die Ferne in die heimische Natur hereinzuholen.

Das Flüchtige, Ephemere des Gartens gibt Anlass zu melancholischen Betrachtungen. Die Fülle kann im Gegensatz zum persönlichen Erleben stehen und ein Gefühl der Einsamkeit und Ausgeschlossenheit erzeugen.
Besonders der Herbst, am Übergang zwischen vergehender Fülle und beginnender Leere, kann eine magische Wirkung des Raumes erzeugen. Auch der Übergang vom hellen Tageslicht zur Dämmerung und Dunkelheit hat gegenständliche Entleerung des Raumes zur Folge, der sich aber gleichzeitig verschließt und die Ferne vernichtet.

Wenn im Garten wie in der Natur die Fülle der Einzelwesen überhand nimmt, kann daraus beängstigende, alptraumhafte Bedrängnis werden. Auf der anderen Seite kann die gegenständliche Entleerung des Raumes dem Betrachter den Halt unter den Füßen entziehen und ihn mit einer Dimension konfrontieren, der er mit seiner physischen Existenz nicht gewachsen ist.

Ausgehend vom Frankfurter Paradiesgärtlein zeigt die Ausstellung Gemälde und Zeichnungen aus allen Regionen Europas bis zur Gegenwart. Rubens, Watteau, Blechen, Lessing, Carus, Böcklin, Manet, Renoir, van Gogh, Max Ernst, Klee, Beuys oder Fischli / Weiss gehören zu den ausgestellten Künstlern.

Die Ausstellung wurde von Sabine Schulze für das Städel Museum in Frankfurt erarbeitet, wo sie vom 24. November 2006 bis zum 11. März 2007 zu sehen war. Das Lenbachhaus zeigt sie vom 5. April bis zum 8. Juli 2007 im Kunstbau.