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Unter dem Pseudonym Alice Springs arbeitet June Newton, Witwe des legendären Mode- und Aktfotografen, seit 1970 selbst als Fotografin, insbesondere im Porträtfach. Mehrfach haben Helmut Newton und Alice Springs zusammen ausgestellt, insbesondere das gemeinsame Projekt „Us and Them“. 2010 wurde die erste Alice Springs-Retrospektive in der Berliner Helmut Newton Stiftung realisiert.

Nun wird die 2015 vom Pariser Maison Européenne de la Photographie (MEP) organisierte zweite Retrospektive ebenfalls in Berlin gezeigt; darin finden sich über 100 Porträts von Fotografenkollegen wie Richard Avedon, Braissaï, Ralph Gibson und natürlich Helmut Newton sowie anderer Prominenter wie Nicole Kidman oder Luciano Pavarotti. Ergänzt werden die intensiven Bildnisse in Schwarz-Weiß und Farbe durch eine umfangreiche Bildserie von Straßenfotografien, die in der Melrose Avenue in Los Angeles entstanden, wo Alice Springs in den 1980er-Jahren die kalifornische Punk- und HipHop-Szene porträtierte.

Helmut Newton arbeitete nicht nur im Auftrag von Modezeitschriften oder Modedesignern. Er interessierte sich auch für Abseitiges, für Paparazzi-Bilder, für Polizei-Fotografie und Kriminalgeschichten, kurzum: für die Yellow Press. Die gleichnamige Ausstellung „Yellow Press“, die noch vom Fotografen persönlich zusammengestellt und erstmals 2002 in seiner damaligen Züricher Galerie präsentiert wurde, ist eine ungewöhnliche Melange aus unterschiedlichen Werkgruppen, entstanden zwischen 1973 und 2002. Darunter finden sich mehrere Bildserien, die zuvor nicht in den Büchern von Newton veröffentlicht worden sind, etwa eine Reihe, die er „Self-Appropriation“ nannte, eine Aktserie zum Thema „Lolita“ für den „Playboy“ oder eine Reportage, mit der er eine Gerichtsverhandlung in Monaco für „Paris Match“ begleitete. Viele Motive, die uns hier begegnen, würde man nicht unbedingt mit Helmut Newton in Verbindung bringen – umso mehr bereichern sie das Bild, das man von Newton und seinem Werk gemeinhin hat.

Auch diesmal wird posthum dem Wunsch Helmut Newtons entsprochen und ein weiterer Fotograf eingeladen, in „June's Room“ auszustellen: Der Amsterdamer Mart Engelen, der auch ein exklusives Fotomagazin herausgibt, zeigt in Berlin mehr als 20 Schwarz-Weiß-Porträts der zeitgenössischen Kulturszene – inspiriert u. a. durch den französischen Film noir –, darunter Schriftsteller wie Michel Houellebecq, Künstler wie Gilbert & George oder Musiker wie Pete Doherty.