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Wie Rosen pflanzen, wenn gleichzeitig die Wälder in Flammen stehen? Diese Frage stellte sich das französische Architektenkollektiv CIAM (Congrès Internationaux d’Árchitecture Moderne) in den 30er Jahren. Die Antwort fanden sie in der leicht veränderten Frage Wie keine Rosen pflanzen, wenn die Wälder in Flammen stehen? Rund zwei Generationen später greift nun Cornelia Schmidt-Bleek diesen Ansatz auf und stellt ihn ins Zentrum ihrer künstlerischen Recherchen. Mit ihren Arbeiten erforscht die Künstlerin das Verhältnis Pflanze-Mensch-Gesellschaft und setzt Pflanzen mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Modellen in Beziehung. In ihrer Ausstellung in der Galerie Hohenlohe widmet sich die Künstlerin den Defiant Gardens*, trotzigen oder widerspenstigen Gärten, die unter extremen sozialen, politischen oder ökonomischen Bedingungen geschaffen werden.

In einem Raum sind mit Granatapfelsaft gezeichnete Arbeiten auf Papier zu sehen. Hier thematisiert Schmidt-Bleek die Geschichte eines Gartens im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba. Einige der Gefangenen haben in Guantanamo ihren eigenen Garten angelegt. Die Samen für die verschiedenen Pflanzen wie Zitronen oder Paprikasamen, haben sie ihrem Essen entnommen. Der Granatapfel wiederum zählt zu den einheimischen Pflanzen der Karibikinsel, ursprünglich stammt er jedoch aus Persien - jenem geografischen Raum, aus dem auch viele der Häftlinge stammen.

In den zwei weiteren Räumen geht es um die psychologischen und physischen Auswirkungen von Pflanzen auf Menschen. Mit einer Pyramidenskulptur aus Plexiglas, bezieht sich die Künstlerin auf die Maslowsche Bedürfnispyramide. Diese beruht auf einem vom US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow entwickelten fünfstufigen Modell aus den 50er Jahren, welches die menschlichen Bedürfnisse in hierarchischer Gliederung beschreibt. Schmidt-Bleek stellt die Pyramide skulptural auf den Kopf und bestückt sie mit widerspenstigen Kakteenpflanzen.

In einer Diainstallation, in der verschiedene Blumensträuße als Experimentierfeld gezeigt werden, beschäftigt sich die Künstlerin mit dem Duchenne Smile, dem „wahren“ oder inneren Lächeln, das nicht durch äußere Umstände beeinflusst werden kann. Ein amerikanischer Psychologe namens Ekman hat dieses Lächeln in den 80er Jahren erforscht und es nach dem französischen Neurologen Duchenne aus dem 19. Jahrhundert benannt.

Die Botanik ist Dreh- und Angelpunkt Cornelia Schmidt-Bleeks Skulpturen, Installationen und Zeichnungen, in denen Pflanzen stets eine zentrale Rolle spielen. Mit Hilfe der Pflanzen nähert sich die Künstlerin gesellschaftlichen und politischen Fragen und zeigt so neue Herangehensweisen und Zusammenhänge auf.

* Kenneth Helphand, Defiant Gardens. Making Gardens in Wartime, Trinity University Press 2006

Cornelia Schmidt-Bleek
The Simple Task Of Tenacity
(or How can you not plant roses when the forests are burning?)