Centre Pompidou, Paris

MUSÉE NATIONAL D'ART MODERNE - CENTRE GEORGE POMPIDOU | Place Georges-Pompidou
F-75004 Paris

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Das Centre Pompidou widmet vom 1. März bis zum 22. Mai 2006 Hans Bellmer (1902-1975), einem der bedeutendsten Künstler der surrealistischen Bewegung, eine wichtige Ausstellung. Der französische Künstler deutscher Herkunft Hans Bellmer hat 1934 das surrealistische Objekt par excellence, die Puppe (la Poupée) (Sammlung des Centre Pompidou) geschaffen.

Mit dieser Ausstellung wird zum ersten Mal eine so bedeutende Auswahl von Bellmers Arbeiten in Frankreich gezeigt: Objekt-Skulpturen, Photographien Malerei sowie Zeichnungen und unveröffentlichte Notiz- und Skizzenbücher Das Hauptziel der Veranstaltung ist es, diese weniger bekannten Aspekte von Bellmers Werk zu erforschen und dem Publikum zu ermöglichen, dessen Vielfalt zu entdecken.

Im Zuge der Untersuchung der „Anatomie des Begehrens“, des zentralen Konzepts der schöpferischen Arbeit Bellmers, versammelt die Ausstellung außergewöhnliche Leihgaben aus privaten Sammlungen von hohem Prestige und großen Institutionen wie dem Museum of Modern Art, New York, das die mobile Objekt-Skulptur Maschinengewehr im Gnadenstand (1937) zur Verfügung stellt.

Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 hat Hans Bellmer jede gesellschaftlich nützliche Arbeit eingestellt, um eine Puppe in Lebensgröße herzustellen. Wenn sie auch anfangs eine vergegenständlichte Geste der Rebellion gegen jede Form von (politischer oder väterlicher) Autorität darstellt, so wird die provozierende Poupée das Instrument eines ganz anderen Vorhabens und einer ganz anderen Forschung: einer völlig neuartigen Reflexion über den Körper, welche aus Bellmers Fetischobjekt den paradigmatischen Bezugspunkt zeitgenössischer künstlerischer Ausdrucksformen des Erotischen macht.

Diese künstliche Kreatur mit vielfältigen anatomischen Variationsmöglichkeiten ist Bellmer zufolge in der Lage „den Taumel der Leidenschaft wieder zu verkörpern bis hin zur Erfindung neuer Formen des Begehrens“ und ermöglicht dem Künstler, die Erforschung einer Anatomie des körperlich Unbewußten immer weiter voranzutreiben. Dieses ambitionierte Vorhaben durchzieht Bellmers Werk: von den Aufnahmen mit dem Photoapparat bis zu zeichnerischen Ausdrucksformen, von der miniaturistischen Zeichnung für den engsten Kreis von Vertrauten bis zum beinahe abstrakten vergrößerten Entwurf. Sein Verfahren kann als Suche nach einer lebendigen Form verstanden werden, die es ermöglicht, das Bild des Begehrens und des Phantasmas zu materialisieren.

Bellmers Zeichnungen mit ihrer großen Raffinesse und Kühnheit sind Wiedereinschreibungen geheimer Triebregungen, Übertragungen und Verschiebungen sinnlicher Eindrücke und sprachlichen Sinns, und der Ambivalenzen des erotischen Körpers. Auf diese Weise zeigt der Künstler die Formen von Harmonie und die grausame Schönheit in der Mechanik des Begehrens.

Die Ausstellung hebt hervor, daß Bellmer (der 1938 Berlin endgültig verläßt, um sich in Paris niederzulassen) mit vollem Recht der Poetik und der Bildwelt des Surrealismus angehört, und analysiert die Singularität dieses gewaltigen OEuvres, das im Kontext der zwanziger und dreißiger Jahre in höchstem Maße subversiv wirkt. Weißglühend und kalt wie die Werke Sades und Batailles, scheint es aber in Wirklichkeit seiner Zeit zu entkommen. Seine Befragung der Identitätsprinzipien rückt es besonders nahe an unsere gegenwärtige Sensibilität.

KATALOG Hans Bellmer – Anatomie du désir. Editions du Centre Pompidou in Verbindung mit Gallimard. Herausgeberin Agnès de La Beaumelle. Einführende Texte von Bruno Racine, Alfred Pacquement, Alain Sayag. Beiträge von Paul Ardenne, Agnès de La Beaumelle, Pierre Dourthe.

Pressetext

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Hans Bellmer: ANATOMIE DES BEGEHRENS