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Eröffnung: Freitag, 04. Juli 2008, 19-22 Uhr, bis 09. August 2008 / (Mi-Sa 14-19 Uhr)

Stedefreund zelebriert den Rhythmus in der Malerei, die ohne ihn nicht auskommen will und der sie zur grenzüberschreitenden Komplizin von Musik und Tanz macht. Neben Katja Pudor und Anne Vorbeck sind fünf Künstler eingeladen, sich mit Malerei, Sound und Installation durch Zeit und Raum zu bewegen und die Ausstellung als opulentes Fest der Sinne(stäuschung) zu feiern.

Katja Pudor verwandelt den minimalistischen Plattenbau bei Stedefreund in einen prächtigen Spiegelsaal und lässt damit Glanz und Dekadenz barocker Residenzien wie Versailles, Schönbrunn und Herrenchiemsee wieder aufleben. Der Raum vermittelt Sinnenfreude und lässt zugleich die Ehrfurcht vor Prunk und Reichtum in Schall und Rausch aufgehen. Stilmittel der Vervielfältigung und Tiefenillusion versetzen das Streben nach Unendlichkeit und Repräsentanz in die Gegenwart. Das temporäre Gesamtkunstwerk erweitert sich durch einen Kolonetten-Einbau der Bildhauerin Inken Hilgenfeld und eine Audio-Installation von Jana Debrodt, die die Opulenz einer Overtüre des Hochbarock mit Mitteln des Stretchens in seiner Datendichte ausdehnt und minimiert. In Referenz auf die barocke Fest- und Improvisationskultur feiern die Künstlerinnen den Galerieraum als Kulturpalast weit vor der Wiederauferstehung des benachbarten Berliner Stadtschlosses.

Anne Vorbeck denkt die Welt in Farbe, Form, Raum und - in groß. Malerei ist für sie vor allem Möglichkeit, starke visuelle Rhythmen zu erzeugen. Farbe fließt und hinterlässt ihre Spuren mit dem Pinsel, als Abdruck, Filzstift- oder Tuschelinie, gezeichnet – gesprüht – geschüttet. Organische Formen rotieren über Wandecken hinweg und verselbständigen sich zu einer dynamischen Raum-Malerei, die aus der Leinwand heraus auftaucht und wieder darin verschwindet. Ein ganzheitliches Seherlebnis, das den Ausstellungsraum und jeden sich darin Befindlichen vereinnahmt. Jedes Bild ist wie ein Song: klar komponiert, rhythmisch, sinnlich erfahrbar und verführerisch. Sehr locker, sehr kraftvoll, wild! -aber auch kühl und bedacht.

Als Ausgangspunkt jeden malerischen Zugriffs bevorzugt Bernd Mechler die ungerichtete Bewegung eines Flaneurs, der seinen Blick beim Spazieren schweifen lässt. Seine strahlenden Farbverwischungen und Farbschlaufen verlaufen zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion und jonglieren als Endlosschlaufen mit Bildmaterialität und Raumillusion. Mechlers Auseinandersetzung mit Öl auf Leinwand werden ergänzt durch eine Installation von Anja Garg aus farbigen MDF-Platten, die einen abstrakten Rhythmus ergeben und doch auch durch die Streifenspuren von Fußabtretern den konkreten Alltag anklingen lassen.

Dare you, dare you, double dare you...Türe, Zäune, Absperrungen, Warnschilder, Tattoos, Final credits - übergroßformatig in Acryl auf Leinwand. In einem komplexen Übersetzungsprozess überträgt Markus Willeke in seine Malerei bevorzugt Motive aus dem Horrorfilm- und Heavy-Metal-Genre, die alle im Handlungsablauf von Verbrechen und Gewalt eine Schlüsselfunktion haben, weil sie die Zonen der Gefahr und Sicherheit, das Draußen vom Drinnen unterscheiden. Für Stedefreund realisiert er eine Wandmalerei und vervollständigt den Reigen zwischen bewegten und gebannten Bilder auf seine ganz eigene Weise.

Carla Orthen, Leitung

Katja Pudor 1965 www.katjapudor.de/www.stedefreund-berlin.de Anne Vorbeck 1975 www.stedefreund-berlin.de Jana Debrodt 1975 www.jana-debrodt.de Anja Garg 1972 1994-2005 Stud. Universität Duisburg-Essen Inken Hilgenfeld 1974 1997-2004 Stud. Freie Kunst KHB Weissensee Bernd Mechler 1958 www.galerie-appel.de / www.ruthleuchter.de Markus Willeke * 1971 www.markuswilleke.de / www.rasche-ripken.de

Let the train blow the whistle
Leitung: Carla Orthen

Künstler: Katja Pudor, Anne Vorbeck,
Gäste: Jana Debrodt, Anja Garg, Inken Hilgenfeld, Bernd Mechler, Markus Willeke