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Eröffnung: 11. September 2008, 19 - 21 Uhr

There ain´t no white man in this room that will change places with me - and I´m rich. That´s how good it is to be white. There´s a white, one-legged busboy in here right now that won´t change places with my black ass. He´s going, "No, man, I don´t wanna switch." CHRIS ROCK

Mit dem Wort Semblable* (Das Gleiche, das Ähnliche, mein Doppelgänger) spricht Charles Baudelaire in seinem Gedicht "Au Lecteur" in Die Blumen des Bösen eben diesen Gleichen, Nächsten an. Semblable spiegelt die integrative konzeptuelle Prämisse im Werk von Mary Ellen Carroll und gleichzeitig die Einzigartigkeit der Dinge, auch wenn sie nur als Fälschungen, Kopien, Imitatoren, Doubles und Doppelgänger existieren. Für die Konzeption dieser Ausstellung hat Carroll intensiv über die Vielschichtigkeiten von Interpretation, Verstehen und Missverstehen nachgedacht, und dabei auf bereits existierende, signifikante Teile ihres Werkes zurückgegriffen, inklusive einiger Arbeiten die nie zuvor gezeigt wurden. Darüber hinaus hat sie eigens für die Ausstellung eine neue Skulptur geschaffen. Viele der gezeigten Arbeiten beziehen sich auf die Identität von Rasse und wie wir sozial wahrgenommen werden. Im Jahr 2007 zeigte Carroll eine Ausstellung zum Thema Imitation in der Stadt der Imitatoren, Memphis, Tennessee. Das Kernstück, ME LIKE BLACK, besteht aus zwei Neonarbeiten, die auf das Buch Black Like Me des weissen Journalisten John Howard Griffin, eines Bürgerrechtsaktivisten und Freundes von Dr.Martin Luther King verweisen. In diesem 1961 erschienenen Buch dokumentiert er seine Transformation und seine Erfahrungen als Schwarzer. Diese Ausstellung zeigte auch vier Siebdrucke auf der Basis von Arbeiten, die in Carrolls One Star Press Publikation All the Men Who Think They Can Be Me (2003) veröffentlicht wurden gemeinsam mit einer Auswahl von Original-Zeichnungen aus diesem Buch. In einem direkteren Bezug zu Verstehen und Missverstehen werden in Mary Ellen Carrolls Semblable auch bisher nicht ausgestellte Arbeiten gezeigt, die sich auf zwei literarische Figuren beziehen. Von 1998 bis 1999 hat Carroll das komplette Werk The Life and Opinions of Tristam Shandy von Laurence Sterne auf ein einziges Blatt Arches Aquarell-Papier gezeichnet. Der Text wurde so zu einer kompakten Masse, ein Verweis auf die schwarze Seite in Sternes Roman. Als die Abschrift fertig war, hat Carroll daraus Alas, poor YORICK! gemacht - einen Siebdruck des Blatts im Maßstab 1:1. Zehn Jahre später hat Carroll das Original verbrannt und die Aktion auf Super-8-Film festgehalten. Der Druck, der Film und die Zeichnung, die mit der Asche des Originals der schwarzen Seite angefertigt wurde werden zusammen ausgestellt. Carrolls neuer Skulptur Semblable liegt Rodins Baudelaire (1898) zugrunde, die nicht Baudelaire selbst zeigt, sondern einen jungen Künstler, der Baudelaire ähnelt. Carroll selbst wird sich atavistischerweise als Dichter-Künstler-Modell verwenden, um die Büste mit dem Modelliermatieral Plastillin, das nie den erhärteten Zustand sogenannter Dauerhaftigkeit erreicht, neu zu schaffen. Rodin hat davon gesprochen wie wir uns die Charakteristik eines Individuums aus der zerebralen Information dessen, was man einen 'Typus' nennt, in Erinnerung rufen; damit geben wir den Wunsch nach Aktualität auf. In Wirklichkeit bestätigt diese Gestaltung den Gedanken, dass wir uns alle ähnlich - semblable - sind, und sei es nur in dem, dass wir allzumenschlich sind. Am Abend der Eröffnung der Ausstellung wird Mary Ellen Carroll während einer Performance zum Subjekt und Objekt dieses Kunstwerks werden.

Trotz eines Werks, das sich über mehr als zwanzig Jahre spannt und sich einer stilistischen Signatur verweigert, hat sich Mary Ellen Carroll während ihrer gesamten Karriere mit einer einzigen, grundsätzlichen Frage auseinandergesetzt, nämlich: Was ist ein Kunstwerk? Sie hat zahlreiche Förderungen und Auszeichnungen erhalten, darunter ein Guggenheim Fellowship, ein Rockefeller Fellowship, einen Pollak/Krasner Award und eine Subvention des New York Community Trust. Ihre Arbeiten wurden international in zahlreichen Einrichtungen gezeigt, darunter das Whitney Museum of American Art, New York; das ICA, London; The Renaissance Society, Chicago. Eine Monographie ihrer Arbeiten wird in diesem Herbst bei Steidl/Mack herausgegeben. 2009 wird Carroll Ausstellungen in Los Angeles, Stockholm, und Rotterdam haben, während sie ihr Zehn-Jahres-Architektur-Opus, OFPC (1999–2009) in Houston, Texas fertigstellen wird.

Semblabe ist die vierte Einzelausstellung der Künstlerin in der Galerie.

Semblable ist der Titel von Jonathan Flatleys Haupt-Essay in Carrolls diesen Herbst bei Steidl/Mack erscheinender Monographie.

Mary Ellen Carroll
Semblable