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"Viktoria Binschtok findet ihre Motive im öffent¬lichen Raum. Ihrer Intuition folgend sucht und findet sie Symmetrien kollektiver Verhaltensmuster im Alltag, deren Existenz sonst kaum bemer¬kenswert scheint. Erst durch die subjektive Aneinanderreihung einzelner Beobachtungen zu einer Serie werden Kontexte sichtbar, die scheinbar banalen Situationen plötzlich Bedeutung verleihen. In ihrem aktuellen Zyklus von S/W-Siebdrucken wird bereits im Titel - “three people on the phone" - der inhaltliche Kern offenbar. Wir beobachten Personen, die mal geschäftig mal ge-langweilt, vereinzeilt oder in der Menge geborgen mit dem fernmündlichen Austausch oder dem Absetzen von Textbotschaften befasst sind - dies erscheint zunächst unspektakulär, doch allein ihre Haltung, Mimik und Gestik spiegeln das Kaleidoskop emotionaler Regungen wider. Offen-sichtlich scheint das Mobilelefon mindestens ebenso sehr persönlicher Rettungsanker wie not-wendiger Draht zur Außenwelt zu sein. Wie und wieso sich die jeweiligen Dreierkonstellationen formierten, bleibt allerdings zwischen Zufalls- und Ver¬schwörungstheorie unbeantwortet.

Einen ganz eigenen Blick auf kausale Zusammenhänge des Alltags wirft Andreas Grahl in seinen Arbeiten. Seine Skulpturen und Installationen treten dem Betrachter mit dem Anschein der Vertrautheit gegenüber, um ihn umso nachhaltiger zu überraschen. Seine Überraschungsei-Modellen entlehnten Bronzefiguren scheinen nach vollkommen anderen ästhetischen Vorstellungen zusammengesetzt zu sein als sie im Bausatz angegeben sind - und funktionieren gerade deswegen im Ausstellungsraum als “klassische" Skulptur. Ebenso lädt eine stählerne und aus der Achse geratene Wendeltreppe nicht mehr zum hinaufsteigen ein. Sie ist besser zu bewältigen, wenn man sie mit einem gigantischen Bohraufsatz vergleicht, der sich durch Boden und Decke geschraubt hat und nun festhängt. Der offenkundige Fehler in der Konstruktion wird zum kalkulierten Eingriff und scheinbar zufällige Anordnungen zu elementaren Bestandteilen der skulpturalen Formfindung."

Eröffnung: 23.02.2007 von 18-21 Uhr

One bear, one elephant, and three people on the phone
Viktoria Binschtok / Andreas Grahl