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Der Vortrag beleuchtet eine gewisse Abhängigkeit der globalen Zirkulation der Kunst von der Ölindustrie. Viele der zeitgenössischen Kunstbiennalen (Moskau, Sharjah, Baku usw.) werden durch Geld aus Öl- und Gasquellen finanziert. Seit die Kultur aufgehört hat, verneinend zu sein, ist sie zu einem Instrument der Expansion geworden. Sobald die künstlerische Geste ein «Mittel ohne Zweck» wurde, konnte sie zur Spielwiese der Politik werden. In den meisten der so genannten aufstrebenden Gesellschaften wird heute der immense Reichtum aus der Öl- und Gaswirtschaft dazu eingesetzt, die Künste oder so genannte «radikale Kunstformen» zu fördern, die meistens ihrer eigentlichen Erfindung hinterher hinken. Stuart Hall bezeichnet dies als «regressive Modernisierung». Indem sie die radikalen Gesten von KünstlerInnen wiederholt, jedoch ihres politischen Inhalts entledigt, etabliert sich heute eine Form der Kunst, die mit der vorherrschenden Politik der Kunstausstellungen, insbesondere der Biennalekultur, perfekt harmoniert. Im Zeitalter der Globalisierung scheint die Reproduzierbarkeit der Bedingungen multinationaler Produktion zugleich bestimmte Kunstformen zu reproduzieren, die bereit sind, diese Bedingungen aufrecht zu erhalten. (Z.A.)

Zeigam Azizov, geb. 1963 in Salyan, Aserbaidschan, lebt seit 1992 in London. Er unterrichtet am Goldsmiths College in London und derzeit auch an der Universität Klagenfurt. Einzelausstellung: Kunstraum Lakeside, Klagenfurt (2008); ICA, London (1995). Beteiligungen: «Global Photography now: Post Soviet States», Tate Modern, London (2006); «Global tour», W139, Amsterdam (2006), «Utopia Station », Haus der Kunst, München (2004); 50. Biennale Venedig (2003); «Becoming Global», Bauhaus Foundation, Dessau (2003); «Routes», Grazer Kunstverein (2002); «Outsourcing», inIVA, London (2002); «Never look back», Shedhalle, Zürich (2001).